Begriffsklärung zu Corona ist nötig

Dr. med. Hans-Ulrich Kull, Vorstandsmitglied des ZRV, löst Verwirrung auf

Es ist schon sehr viel über die gegenwärtige Corona-Pandemie gesprochen, geschrieben, spekuliert und vor allem geklagt worden. Es wäre jedenfalls das Beste, sich nur nach den neusten Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und allenfalls den Vorschriften der kantonalen Gesundheitsdirektionen zu halten, sowie hoffnungsvoll abzuwarten und Tee zu trinken. Panikreaktionen sind fehl am Platze.

Kontroverse Meinungen
Bei der Lektüre der vielen Zeitungskommentare und beim Zuhören der kontroversen Meinungen - besonders von Laien - fällt vor allem eine grosse Begriffsverwirrung auf. Das erschwert eine geordnete Diskussion. Es scheint deshalb richtig, etwas Licht in den Dschungel der verschiedenen Begriffe zu bringen.

Vorerst zum Corona-Virus allgemein: eigentlich handelt es sich um eine Virus-Familie, zu dem das neue Virus Covid-19 eben auch gehört.  

Viren – keine Bakterien
Viren sind keine Bakterien, keine eigentlichen Lebewesen, sie sind extrem klein und nur im Elektronenmikroskop sichtbar. Sie bestehen eigentlich nur aus Nukleinsäuren und Proteinkapsel, eigentlich nur aus Erbmaterial. Dazu haben einige Viren eine äussere Hülle, ähnlich eines Kranzes oder einer Krone (deshalb Corona-Viren). Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel, sie benötigen für ihre Fortpflanzung die Zellen anderer Organismen. Viruspartikel ausserhalb solcher Wirtszellen nennt man Virionen, die sich dann an die Zelle andocken und so ihr Erbgut quasi in die Zelle hineinschmuggeln und die befallene Zelle zur Virus-Massenproduktion anregen. Der Wirtsorganismus erkrankt dadurch, oder aber seine Abwehrmechanismen führen zur Immunität.  

Richtiger als Corona-Virus wäre vielmehr des Name SARS-CoV-2, was so viel bedeutet wie «severe acute respiratory syndrome Coronavirus 2» (also «schweres akutes Atemwegssyndrom, ausgelöst durch Coronavirus 2»).

Covid-19 bezeichnet andererseits die vom Virus ausgelöste Erkrankung, und nimmt Bezug auf «Coronavirus-disease, erstmals beschrieben 2019».  

Vermischt und falsch

Auch die Begriffe Endemie, Epidemie und Pandemie werden oft vermischt und falsch verstanden:

Die Endemie ist örtlich begrenzt, dort aber ein Dauerproblem. Die Zahl der Erkrankungen bleibt über einen längeren Zeitraum auf konstant hohen Niveau (zum Beispiel Malaria in Afrika).  

Die Epidemie beschränkt sich auch auf eine bestimmte Region und Bevölkerungsgruppe und verbreitet sich dort meistens bei einem neumutierten Krankheitserreger rasch (zum Beispiel Grippe/Influenza im Winter).

Man spricht von Pandemie, wenn sich eine Epidemie über Länder und Kontinente hinwegsetzt und überallhin ausbreitet (zum Beispiel Spanische Grippe , Covid-19).

Ängste kaum berechtigt

Es ist zu hoffen, dass die Klärung dieser Begriffe die gegenwärtigen Ängste vermindern mag. Sie sind kaum berechtigt. Sicher werden wieder ruhigere Zeiten kommen. Und die weltweite Covid-19-Pandemie wird nicht ewig dauern. Und neue Medikamente (bei Viren eben keine Antibiotika) und auch der langersehnte Impfstoff werden die Situation verbessern.

Dr. med. Hans-Ulrich Kull, Vorstandsmitglied des ZRV.