Der Schweiz fehlen Ärzte

In der Schweizerischen Ärztezeitung (Nr. 13/2020) erschien kürzlich ein Bericht, der manche Leser interessieren und auch nachdenklich stimmen dürfte. Er betrifft die neusten Zahlen zur Ärzte-Statistik in der Schweiz. Sie geben wirklich zu denken.
Im Jahr 2019 waren in der Schweiz 37'882 Ärzte und Ärztinnen berufstätig, nur 1 Prozent mehr als im Vorjahr (davon 16'372 Frauen). Die Ärztedichte betrug ungefähr 4,4 pro 1000 Einwohner, also ungefähr gleich wie in den unmittelbaren Nachbarländern.  

Ärztedichte in Städten höher
Die Ärztedichte war in den Städten weit höher als in ländlichen oder gar Berg-Gebieten. Und das Verhältnis zwischen Spezialisten und Allgemeinpraktikern ist bekanntlich sehr ungünstig. Das Durchschnittsalter der Ärztinnen (46,3 J.) und der Ärzte (52,6 Jahre) liegt bei 49,8 Jahren, und es liegt zwangsläufig bei den ambulant tätigen Grundversorgern und Grundversorgerinnen mit 54,2 deutlich höher. 34 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in der Praxis sind über 60 Jahre alt. Das erklärt die grosse Schwierigkeit für manche Praktiker, für ihre Praxis eine Nachfolge zu finden.
36,3 Prozent der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte stammen aus dem Ausland, dieser Anteil ist weiterhin leicht ansteigend. 53,4 Prozent der ausländischen Fachkräfte kommen aus  Deutschland, 21,8 Prozent aus den übrigen direkten Nachbarländern.  

Schweiz braucht Ärzte aus dem Ausland
In der Schweiz sind wir auf diese Unterstützung aus dem Ausland angewiesen. Das Gesundheitswesen käme ohne sie nicht über die Runde. Nicht nur wird die Bevölkerung immer älter, sondern es dürfte auch der rein medizinisch-fachliche Anteil an der ärztlichen Tätigkeit eher abnehmen wegen der immer schwierigeren Auflagen und der dadurch vermehrten administrativen Arbeiten. Als Folge davon wird die personelle Entwicklung immer problematischer. Wir werden noch mehr Ärzte – vor allem Grundversorger, also «Generalisten» – brauchen, und wir werden nicht ohne weitere Kollegen und Kolleginnen aus dem Ausland auskommen. Diese werden aber zwangsläufig in ihrem Heimatland, wo sie ausgebildet worden sind, fehlen. Auch im Pflegesektor ist übrigens die Situation nicht anders. Vor allem die Grenzkantone sind immer mehr auf Pflege-Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Gerade die gegenwärtige Corona-Krise hat es wieder gezeigt, wie rasch unser sonst vorzügliches Gesundheitswesen personell an seine Grenze kommen kann. Und die Armee kann nicht dauernd zu Hilfe gerufen werden.  

Analyse von Dr. med. Hans-Ulrich Kull







Dr. med. Hans-Ulrich Kull
Vorstandsmitglied ZRV