Mitteilungen des SVS

Fachtagung Demographie und Wohnungswirtschaft

Seniorenfreundliche Zugänge zum Mietwohnungsmarkt

Fachtagung Demographie und Wohnungswirtschaft vom 27. Juni 2019, veranstaltet durch Swiss Real Estate Institute. Das SVS-Vorstandsmitglied Werner Wälti hat eine kurze Zusammenfassung der Fachtagung verfasst (Bericht vom 13. August 2019)

In den meisten Schweizer Städten besteht ein Mangel an günstigen kleineren Wohnungen. Durch das wachsende Segment der Pensionierten wird zudem der Mietwohnungsmarkt zukünftig stark geprägt werden. Vor allem ältere Leute haben immer mehr Mühe, eine günstige Wohnung zu finden. Unter dem Patronat des Swiss Real Institut (Institut der Schweizer Immobilienwirtschaft) ist an der Fachtagung „Demographie und Wohnungswirtschaft: Seniorenfreundliche Zugänge zum Mietwohnungsmarkt“ vom 27. Juni 2019 an der HWZ Hochschule für Wirtschaft, Zürich, die Studie gleichen Titels von Dr. Joëlle Zimmerli präsentiert und diskutiert worden. Im Zentrum der Studie und der Fachtagung stand die Frage, wie das wachsende Segment der Pensionierten auf dem Mietwohnungsmarkt besser berücksichtigt werden kann, sowohl im ordentlichen Vermietungsprozess als auch in ausserordentlichen Situationen.

An der Fachtagung sind folgende Erkenntnisse der Studien präsentiert worden:
  • Facts und Figures zu Pensionierten auf dem Wohnungsmarkt
  • Zielgruppen-Segmente und deren Bedürfnisse (Segmentierung der Pensionierten nach Kaufkraft und Handlungsbedarf im Fall einer Kündigung)
  • Anreize für mehr Umzüge bei Mietern im Pensionsalter
  • Seniorenfreundliche Arealentwicklung und Vermietungsabläufe
  • Privilegierter Zugang zu Wohnungen für finanzielle Härtefälle
  • Seniorengerechtes Vorgehen bei Leerkündigungen
Nach der Vorstellung der Studie durch Joëlle Zimmerli sind vier Fallstudien in Breakout Session vorgestellt und diskutiert worden:
1. Pensionierte als Zielgruppe von Erstvermietungen,
2. Umzugsangebote für Pensionierte,
3. Pensionierte als Betroffenen von Leerkündigungen,
4. Vermittlung von preisgünstigen Mietwohnungen an Härtefälle. 
 

Senioren sind eine heterogenen Gruppe, Patentlösungen für altersgerechte Mietwohnungen gibt es nicht. Senioren suchen vor allem moderne Wohnungen im Umfeld eines guten Nahversorgungsangebots. Sie schätzen eine gute soziale Durchmischung, viele sind auf günstigen Wohnraum angewiesen. Um den Zugang zum Mietwohnungsmarkt zu verbessern braucht es Kommunikation und Koordination zwischen Wohnungsanbietern, sozialen Institutionen, Verbänden und öffentlicher Hand. Die Studie hat aufgezeigt, was Wohnungsanbieter beachten müssen, um den Wohnungsmarkt 65plus besser erschliessen zu können. 

Werner Wälti
Vorstandsmitglied SVS

Altersdiskriminierung: Gut Ding will Weile haben!

(Orientierungsschreiben des Präsidenten SVS vom 9. August 2019)

Im Bemühen, die Diskriminierungen auf Grund des Alters zu reduzieren – wir sprechen von reduzieren, nicht von beseitigen  – hat sich vor einem guten halben Jahr der Verein  „Arbeitsgemeinschaft gegen die Altersdiskriminierung (AGAD)“ gebildet. Als Gründungsmitglieder waren die  „Aktion 50plus“ – die Interessenvertretung der Arbeitslosen ab 50 Jahren , und der Schweizerische Verband für Seniorenfragen(SVS) die tragenden Säulen der AGAD, welcher inzwischen noch weitere zugewandte Orte angehören. Die Formulierung des Inhalts der Initiative erwies sich als langwierig. Drei Staatsrechts- und Jura-Professoren brauchten lange Zeit, um sich zu finden.

Inzwischen steht der Text fest und ist bei der Bundeskanzlei eingereicht worden. Jetzt braucht es aber eine professionelle Geschäftsführung zum Sammeln der 100’000 nötigen Unterschriften. Dieses Unterfangen ist auch sehr kostspielig. Erfahrene Initiativen-Organisatoren – diese Leute gibt es wirklich – sprechen von rund einer Viertelmillion Franken, welche zum Einreichen des Begehrens notwendig sind. Das ist bei der Finanzlage der beiden tragenden Organisationen nicht möglich. Im Laufe der Zeit sind zwar weitere Organisationen zur Initiative gestossen, so z. B. Vasos und der SSR. Die Terz-Stiftung zeigt Sympathie, und der Schweizerische Gewerkschaftsbund unterstützt unser Vorhaben – moralisch, versteht sich!  Die Liste der Erstunterzeichner umfasst ziemlich ausgeglichen das linke und das rechte politische Spektrum, was aber gleichzeitig auch für Spannungen sorgte.

Die immer wieder neu aufgetauchten Schwierigkeiten haben auch zu ernsthaften persönlichen und personellen Differenzen geführt, welche eine Weiterführung der Arbeiten blockierten. Die Verantwortlichen haben die Konsequenzen gezogen. Der bisherige Vorstand der AGAD ist gesamthaft zurückgetreten. An einer Mitgliederversammlung beschlossen die Mitglieder der AGAD, die Initiative weiter zu verfolgen und bis Mitte 2020 mit der Unterschriftensammlung zu beginnen. Voraussetzung dazu sind organisatorische Professionalität und finanzielle Zusagen. Ein neuer Vorstand unter der Leitung von Rechtsanwalt Dr. Denis G. Humbert aus Zürich, Spezialist für Arbeitsrecht,  ist gewählt worden und hat die Arbeit aufgenommen. Als Vizepräsidenten amtieren der Präsident des SVS sowie die beiden ex-Nationalrätinnen Suzanne Leutenegger-Oberholzer und Monika Stocker.

Die AGAD hofft, mit den bereinigten Strukturen und klaren Kompetenzen nun die konkreten Arbeiten weiterführen zu können im Interesse der Seniorinnen und Senioren, zu denen wir auch die Arbeitslosen ab 50 Jahren zählen. Aber wir brauchen Eure Unterstützung, sowohl personell , organisatorisch und wenn immer möglich auf finanziell. Dabei gilt auch hier der alte Grundsatz: wir kämpfen nicht für uns, sondern für die kommenden Seniorengenerationen, welche heute noch im Parlament Politik machen, als ob sie das alles nichts angehen würde.

Karl Vögeli, Präsident SVS


 

Altersdiskriminierung: Initiative kommt!

(Miteilung von Karl Vögeli, Präsident des SVS vom 29. Mai 2019)

Die angekündigte Unterschriftensammlung für eine eidgenössische Volksinitiative gegen Altersdiskriminierung kann erst im Frühherbst begonnen werden. Der Starttermin von Ende Juni muss verschoben werden, weil wir von der Bundeskanzlei in Bern den Initiativtext noch nicht bestätigt haben und wir deshalb keine Unterschriftenbogen drucken lassen können.

Wir rechnen nun mit einem Start im September.


 

 

Abstimmung zur AHV-Steuervorlage (STAF)

Pressemitteilung des SVS zur Abstimmung vom 19. Mai 2019 (STAF)

Gut für die Schweiz und die Senioren  

Mit Erleichterung hat der Schweizerische Verband für Seniorenfragen (SVS) das positive Ergebnis über die eidgenössische Volksabstimmung zur AHV-Steuervorlage (STAF) zur Kenntnis genommen. Das deutliche Ja des Volkes interpretieren wir als Zeichen, dass die Stimmberechtigten die Sozialwerke nicht ausbluten, sondern die AHV als wichtigsten Pfeiler der Altersversorgung erhalten wollen. Dass mit der damit verbundenen Steuervorlage auch erreicht werden kann, dass ausländische und schweizerische Firmen mit Sitz in der Schweiz weiterhin hier Steuern bezahlen und nicht auswandern, dient ebenfalls der sozialen Gerechtigkeit.  

Mit dem Ja zur AHV-Unterstützung wird die AHV nicht ausgebaut und vor allem leider auch langfristig nicht saniert. Da sind weitere strukturelle Reformen nötig. Aber immerhin haben wir etwa fünf Jahre gewonnen, um die Zukunft unserer Altersvorsorge zu sichern.

Die AHV braucht auch nach dem Entscheid vom Wochenende zusätzliche Einnahmen, um die jetzige Leistung langfristig aufrecht erhalten zu können. Eine Erhöhung und Flexibilisierung des Rentenalters ist unausweichlich. Und vor allem muss das Problem der 2. Säule zusammen mit der AHV-Reform angepackt werden. Dort sind die Probleme leider noch grösser  - allerdings noch schwieriger zu lösen. Es wird dafür erneut die grosse eidgenössische Tugend des fairen Kompromisses benötigt. Wenn man die Geschwindigkeit unserer parlamentarischen Abläufe kennt, müssen wir jetzt an die Arbeit.

Zurücklehnen war gestern –  noch eine so verknorkste Legislatur können wir uns nicht leisten. Jetzt muss das Parlament an die Arbeit – spätestens im Herbst nach den Wahlen. Der SVS ist den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern dankbar für ihren Entscheid und wird die Parlamentarier immer wieder an ihre Pflicht zu einer echten Sanierung unserer Sozialwerke erinnern.